Spielkarten

„Du, das macht mich megasauer!“

ÜBER DIE UNSITTE DES DUZENS IN DER WERBUNG.

Schild kurvenreiche Strecke
Großer Fehler: Ungefragtes Duzen

Kommentar aus aktuellem Anlass - 29.10.2020 -
In einem Forum hat jemand wunderbar treffend das ungefragte Duzen als „Verbal-Grabscherei“ bezeichnet!
(Um es zu verdeutlichen: Ich habe gar nichts gegen das Du bei den richtigen Zielgruppen!)

„Hey DU, hier sind meine Ziele:“

Durch das Duzen und die falsche Vertrautheit in werblichen Aussagen möchte man gern jugendlich wirken und in meine Privatsphäre eindringen. Derartige Blender wollen vorgaukeln, man sei Partner auf gleicher Ebene. Man will Distanz abbauen, sich in meine Familie einschmeicheln, will unsensibel und unhöflich Teil davon werden und rabiat eventuelle Hindernisse abbauen. „Sei doch bitte nicht so skeptisch, denn einem Duz-Partner hat man doch zu vertrauen!“

Man will fortschrittlich, jugendlich und modern erscheinen. Das Argument lautet: Google, Ikea und andere große Player machen es ja auch so. Der nächste Fehler ist, dass man auch noch sprachliches Jugendjargon und denglische Anglizismen verwendet. So macht man sich jedoch vollends unglaubwürdig und zerstört seinen seriösen Ruf nachhaltig. Obendrein wirkt das Ganze arrogant, respektlos und überaus abschätzig!

Affe will etwas aus der Hosentasche stehlen

Es erscheint wie eine dumm-dreiste Anmache, vergleichbar mit: „Ey, hast´e ´mal ´nen Euro?“

Derartige Absender sprechen mir anscheinend sogar die Intelligenz ab, darüber reflektieren zu können, dass man sich mit dem Du nur anschleimen will. Sie halten mich - meine Intelligenz verletzend - schlicht für dumm.

Das Du in der „offeneren“ Kommunikation dient oft (Beispiel Google) nur den gewünschten und übergelagerten interessen. So angewendet verunglimpft es die Vertrautheit sogar! Dort geht es darum, Hierarchien der Oligarchie zu verschleiern und mich - und die mir abverlangte Vertrautheit - zu vereinnahmen. Somit ist das Du bei derartigen Unternehmen nur ein billiger "Bauernfängertrick". Der "Mächtigere" will auf subtile Weise die Einstellung zu ihm beeinflussen. Das Du soll zum Ausdruck bringen: Wir sind doch eine so tolle Geimeinschschaft und haben alle die (angeblich) gleichen Ziele.

Es wird zutreffen, dass Jugendliche gar keine andere Sprache kennen, weil sie damit bereits seit langer Zeit penetriert wurden. Damit einhergehend wurde leider auch eine gewisse Wertlosigkeit apostrophiert. (Wenn Du nicht über das neueste Smartphone verfügst, dann sind die Anderen wertiger als Du.) Ich bin hingegen - wie so viele Andere - mit Werten groß geworden, die ich auch gern so lebe. Mir widerstrebt es, andere Menschen mit falschen Attitüden hinterlistig täuschen und zu Handlungen verführen zu wollen.

Auch die mit dem Du aufgewachsenen Jugendlichen werden auf ihrem Lebensweg an einen kritischen Punkt kommen. Sie werden sich fragen, ob mehr Respekt zu zeigen - und diesen auch für sich selbst einzufordern - nicht doch die bessere Art ist, durchs Leben zu kommen.

„Hey DU, ich dräng´ mich dann ´mal auf!“

Auf mich selbst bezogen kann ich feststellen: Die Penetranz mich duzen zu wollen, widert mich an! Ohne meine Einwilligung gegeben zu haben, werde ich übergriffig geduzt. Ich werde somit nicht wertgeschätzt. Da der Respekt mir gegenüber nicht gezeigt wird, fehlt mir dann logischerweise ebenfalls der Respekt zum mich duzenden Unternehmen.

Es gibt Menschen, die alles wie einen von Gott gegebenen „Wandel der Zeit“ fatalistisch und resignierend hinnehmen. Man hört das Argument, das Siezen sei ja „alte hierarchische Denk- und Arbeitsweise“. Es müsse ein Kulturwandel angestrebt werden. Zu ermitteln wäre aber, aus welchem Mülleimer fehlgeleiteter Marketingexperimente sie diese angebliche Erkennnis gezogen haben oder von welchen wertelosen Indoktrinierern man diese angeblichen Weisheiten erlangt hat.

Mann bedrängt Frau

In derartigen Marketingabteilungen denkt man vermutlich: Die großen Player würden schon wissen, was richtig ist. Und wenn die sich das trauen, dann könne man das ja, ohne es zu hinterfragen, einfach nachmachen. (Genau so, wie man schon unzählige weitere dumme und nachteilige Angewohnheiten einfach übernommen hat!)

Und der Geschäftsleitung sagt man, das wäre eine ganz tolle Sache, weil man damit Nähe aufbauen und Hindernisse abbauen könne. Man bemerkt aber nicht, dass diese gewollte Nähe eine abstoßende Pseudo-Nähe ist. Die bewirkt den genau gegenteiligen Effekt. So „angefasst“ wendet man sich angewidert ab. Diese Unternehmen bemerken (noch) nicht, dass sie damit eigene Werte zerstören.

„Hey DU, füge Dich, wir sind nämlich alle gleich!“

Soll das Negieren des individuellen Respekts in Gleichmacherei und kommunistische Gesellschaftsformen führen? Man bemerkt leider immer öfter, dass die Gesellschaft in zunehmend nerviger Weise zum „Du“ geführt werden soll. Meine nachmachenden Marketing- und Werbekollegen sind anscheinend leider die nicht hinterfragenden Erfüller derartig abstruser Idee-Vorgaben.

Respekt vor dem Individuum und der Familie sollen möglichst glattgebügelt, ja sogar wegerzogen werden. Wir sollen gleichförmiger werden, weil vermutlich zu viel freies Denken und Individualismus um sich gegriffen haben (?). Es scheint, als würde ein übergelagerter Plan bestehen, die Familie als Institution zu diskreditieren, Respektlosigkeit zu propagieren und die Bevölkerung als leicht formbare Knetmasse umzuerziehen.

Die „hippen“ (wie sie von sich glauben) Unternehmen, geben sich diesem Diktat hin. Sie scheinen den Fehler nicht einmal zu bemerken, weil man ja angeblich mit der Zeit schwimmen will. Der Zeitpunkt wird jedoch kommen, zu dem man bei dieser Art des „Schwimmens“ plötzlich bemerkt, dass man mitsamt der Reputation des eigenen Unternehmens während des Schwimmens auch untergehen kann.

untergehendes Schiff

Ganz offen ist erkennbar, dass unlautere Absichten hinter der plumpen Vertraulichkeit stecken. Es soll etwas vorgetäuscht werden, das gar nicht da ist. Und das wird dann erst recht nicht mehr da sein. Das Vertrauen ist nämlich nach dem ungefragten „Du“ verspielt.

Will man mit mir ernsthaft wie mit einem Kind im Kindergarten oder in der Schule kommunizieren? Selbst in der Schule wird ab der 10. Klasse in Schulbüchern respektvoll gesiezt. Liebe Marketingkollegen, eure Kunden wollen nicht erzogen werden und sie sind nicht blöde!

„Hey DU, lass uns kuscheln!“ - selbst bei Xing

Sogar bei XING, dieser früher eigentlich „reputativen Instanz“, hat man diese Unsitte übernommen. Seither ist Xing in meiner Achtung mächtig gesunken. Auch deshalb, weil die Empörung darüber bisher nicht ernst genommen wurde und man auch nicht bereit ist, zu reflektieren. Inzwischen mag Xing nicht einmal mehr die weit über 1.000 Kommentare zu dem Thema online stellen. Aber, das ist sicher nur ein „technisches“ Problem. ;-)
Ob man dort wohl inzwischen merkt, dass man einen Fehler begangen hat?

Unterzeichnet mit „Eure Sabrina“ (Frau Dr. Sabrina Zeplin, von Xing) schreibt sie zu Ihrem Entschluss, das Du einzuführen: „Wir als Unternehmen stehen für eine moderne Arbeitswelt.“ Sie habe das Du von ihrem früheren Arbeitgeber (OTTO-Group) übernommen. Sie übergeht jedoch die wichtige Tatsache, dass ich als Xing-Kunde nicht zu ihrer Arbeitswelt gehöre. Vielleicht hat Sie gesagt bekommen, dass sei auch eine nach außen gerichtete neue Marketingmasche zur Erreichung einer besseren Gemeinschaft und leichteren Beeinflussung der Mitglieder?

Oder ist es eine Vorgabe und Teil des psychologischen Pflichtproramms zur Zerstörung der Kultur? Immer öfter werden in letzter Zeit gesellschaftliche Werte zerstört, die über lange Zeit hin gewachsen sind. Einige der Wettbewerber im Marketing- und Werbebereich empfehlen deren Kunden leider unüberlegt ebenfalls, das Du als Ansprache in werblichen Aussagen zu verwenden! Liebe Kollegen, das ist leider zu kurz gedacht. Ihr seid Irrlichtern aus dem Märchenland aufgesessen!

Märchenszene mit Glühwürmchen

Welche irritierenden Verhaltensweisen das Duzen in Werbeaussagen hervorbringt, äußert sich dann, wenn Briefe mich duzender Unternehmen eintreffen. Darin lautet es dann „Herr ...“ und „Sie“.

„Hey DU, das ist aber schädlich für das Personalmarketing!“

Der Umgangston macht die Musik, aber nicht diese Art der gewünschten Gleichmacherei auf Kindergarten- und Jugendniveau. Ein weiterer Irrglaube: Hierarchien würden durch das Duzen abgebaut. Laut einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach siezen 36 Prozent der Deutschen sogar ihre gleichrangigen Kollegen, 60 Prozent bieten nur engen Freunden und Verwandten das Du an und fast jeder Vierte hat sogar schon einmal ein Duz-Angebot ausgeschlagen.

Wenn zum Beispiel Mitarbeiter gegen ihren Willen geduzt werden, dann kann dadurch ihr Persönlichkeitsrecht aus Artikel 2 des Grundgesetzes verletzt sein. Auf die Art und Weise, wie man angeredet werden möchte, hat man nämlich ein Selbstbestimmungsrecht. Gegen das von Unternehmen verordnete Duzen hat es bereits ein Gerichtsurteil gegeben.

Auch in „Personalwirtschaft“ kann man die Erkenntnisse lesen: „Mitarbeiter und Bewerber gegen verordnetes Duzen ... Duz-Trend kann mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen ... Unternehmen, die dazu übergingen, Mitarbeiter, Bewerber und Kunden grundsätzlich zu duzen, liefen daher in die falsche Richtung.

In manchen Unternehmen mag sich in Einzelfällen das Duzen im Sinne der besseren Zusammenarbeit als kleiner Vorteil darstellen. Zu erwarten sind jedoch oft genug Probleme vielfältigster Art. Als Hinweis sei angemerkt: Auch beim „Sie“ kann durchaus sehr partnerschaftlich miteinander umgegangen werden. Im Arbeitsleben wird sich vermutlich die Kombination aus dem „Sie“ und dem Vornamen immer als vorteilhaft erweisen und durchsetzen.

Resümee: Wenn ein Unternehmen meint, Interessenten und Kunden Duzen zu müssen, dann erweist es sich leider als nicht ernst zu nehmend.

Das Ansinnen wirkt wie ein lächerlicher Versuch der verbalen Grabscherei.

Nachtrag:

Siezen gehört immer noch zum guten Ton: Nur 8 Prozent wollen es abschaffen

„Appinio Study“ veröffentlichte im Mai 2019 eine Umfrage unter 4.877 Teilnehmern zwischen 16 und 54 Jahren zum „Du“ und „Sie“.

Die wichtigsten Ergebnisse lauten:

61 % sagen, es ist ein Zeichen von Respekt, Höflichkeit und Zurückhaltung und nur 8 % sagen, das "Sie" gehört abgeschafft.

Auf das Arbeitsleben bezogen liest man in der Studie:

Nur 33 % der Arbeitnehmer, die Ihren Chef siezen, wären mit ihm lieber per Du.
22 % der Arbeitnehmer, die ihren Chef duzen, würden lieber zum Sie zurückkehren.

Das sind Fakten, die in den Werbeagenturen, in Marketingabteilungen und von allen Selbständigen berücksichtigt werden wollen.

Natürlich gehört es zu den Aufgaben einer Werbeagentur, neue Wege auszutesten. Man darf aber nicht voraussetzen, dass man in der speziellen „Blase“ der Agenturwelt immer die Werte der Gesellschaft erkennt!

Die gewünschte Gleichmacherei durch das „Du“ ist offensichtlich ein ungeliebter und viele abnervender Trend. Einem Unternehmen, von dem man seriöses Verhalten und ernstes Interesse erwartet, kauft man dieses „jugendliche“ Anbiedern ohnehin nicht ab. Das „Du“ wird somit eindeutig Schaden anrichten.

Sensibel, feinfühlig und respektvoll miteinander umzugehen ist immer hilfreich. Ansonsten würde man sich einer dokumentierten Achtlosigkeit und Respektlosigkeit hingeben, die dazu führt, ALLES als egal abzutun. Das beginnt beim rücksichtslosen Wurf von Getränkebechern auf die Straße, führt über das respektlose Du bei Fremden, bis hin zum achtlosen Vernichten der Natur und Artenvielfalt.

Wir sollten gewachsene Werte besser erhalten und sie nicht leichtfertig vernichten!