ausgebreitete Spielkarten als Symbol für flexible Budgetentscheidungen

Krisen-Marketingetat richtig festlegen

Orientierung für Unternehmen, die ihr Marketingbudget nicht blind kürzen, sondern sinnvoll steuern wollen.

Schild kurvenreiche Strecke
Marketingbudget in Krisenzeiten: kürzen oder klüger einsetzen?

— 10.10.2020 / 03.04.2026 Dieter Wiemkes —
Unternehmen stehen unter Druck: Wirtschaftliche Unsicherheit, digitale Umbrüche und neue Anforderungen durch KI verändern Märkte, Kommunikation und Kaufverhalten gleichermaßen.

In schwierigen Zeiten reagieren viele Unternehmen reflexartig mit einer Kürzung des Marketingbudgets. Das erscheint zunächst vernünftig, ist aber oft ein strategischer Fehler.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Wie viel können wir uns noch leisten?“ Sondern: „Wie viel Marketing brauchen wir jetzt, um sichtbar, relevant und handlungsfähig zu bleiben?“

Wer in Krisen nur spart, verliert oft genau das, was später mühsam und teuer wieder aufgebaut werden muss. Aufmerksamkeit, Vertrauen und Marktanteile zum Beispiel.

Warum viele Unternehmen gerade jetzt falsch reagieren

In wirtschaftlich angespannten Phasen sagen Geschäftsführer oft sinngemäß: „Wir haben Umsatzeinbußen, also müssen wir beim Marketing sparen.“ Viele Solo-Selbstständige stehen sogar vor der Frage, ob überhaupt noch Mittel für Werbung und Kommunikation übrig bleiben.

Genau darin liegt jedoch der Denkfehler. Marketing wird dann als Kostenblock behandelt und nicht als Investition in die Zukunft. So wird die über Jahre aufgebaute Sichtbarkeit, das Vertrauen und die Kundenbeziehungen unnötig geschwächt.

Marketing- und Werbekosten sind keine beliebigen Ausgaben. Vielmehr sind es Investitionen in den Erhalt und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Wer heute an Sichtbarkeit spart, muss morgen häufig mit sinkenden Gewinnaussichten rechnen. Denn wer nicht präsent ist, wird schnell übersehen. Gerade in Krisenzeiten reagieren Kunden besonders sensibel auf Orientierung, Ansprache und vertrauensbildende Kommunikation.

Die eigentliche Chance in der Krise

In unsicheren Phasen ziehen sich viele Wettbewerber aus Angst oder Sparzwang zurück. Wer diese Zurückhaltung beobachtet und geschickt nutzt, kann daraus einen echten Vorteil ziehen.

Wenn andere ihre Kommunikation reduzieren, steigt die Chance, selbst stärker wahrgenommen zu werden. Marken, die jetzt präsent bleiben, schaffen Nähe und Verlässlichkeit. Marken, die abtauchen, geraten hingegen leicht in Vergessenheit.

Man sollte antizyklisch investieren. Nicht blind, nicht verschwenderisch, sondern bewusst. In Krisenzeiten sollten Budgets deshalb nicht pauschal gekürzt, sondern gezielt auf wirksame, vertrauensbildende Maßnahmen umgeschichtet werden.

Unternehmerin freut sich über die Marketingzurückhaltung des Wettbewerbs
Wer sichtbar bleibt, profitiert oft davon, dass Wettbewerber ihre Kommunikation zurückfahren. (Erstellt in Midjourney)

Wie Sie Ihren Krisen-Marketingetat sinnvoll ermitteln

Es gibt keine Formel, die für alle Unternehmen gleichermaßen geeignet ist. Es gibt jedoch eine klare Logik, mit der sich ein Marketingetat auch in unsicheren Zeiten vernünftig bestimmen lässt.

  • Ausgangslage prüfen: Wie stark ist Ihr Geschäft betroffen? Welche Nachfrage ist noch vorhanden? Welche Produkte oder Leistungen bleiben attraktiv?
  • Ziele definieren: Wollen Sie Umsatz stabilisieren, Marktanteile sichern, neue Anfragen gewinnen oder Vertrauen stärken?
  • Wirkung statt Gewohnheit bewerten: Welche Maßnahmen funktionieren wirklich? Welche laufen nur mit, ohne einen klaren Nutzen zu bringen?
  • Prioritäten setzen: Nicht alles gleichzeitig machen, sondern in die Maßnahmen investieren, die sichtbar Wirkung entfalten.
  • Flexibel bleiben: Starre Jahrespläne helfen in turbulenten Phasen wenig. Budgets müssen überprüfbar und anpassbar sein.

Das Ziel ist also nicht „weniger Marketing“, sondern das richtige Marketing mit dem richtigen Mitteleinsatz.

Schild Vorfahrt
Kennen Sie Ihre Zielgruppe wirklich?

Diese Fragen helfen Ihnen, Ziele, Personen und Maßnahmen für Ihren Krisen-Etat klarer zu bestimmen.

1. Wen wollen Sie konkret erreichen?

  • Wer sind Ihre Zielpersonen?
  • Wer ist tatsächlich am Kauf Ihrer Produkte oder Dienstleistungen interessiert?
  • Welche demographischen und psychologischen Merkmale weisen diese Personen auf?

Es ist hilfreich, ein oder mehrere realistische Zielgruppenprofile zu entwickeln. So erhalten Ihre „Zielpersonen“ ein Gesicht, eine Haltung und einen konkreten Bedarf. Das erleichtert spätere Entscheidungen über Ansprache, Motive und Kanäle erheblich.

 

2. Über welche Kanäle erreichen Sie diese Personen am besten?

  • Welche Medien werden von Ihrer Zielgruppe tatsächlich genutzt?
  • Welche Kanäle schaffen Vertrauen und welche nur flüchtige Aufmerksamkeit?
  • Welche Berührungspunkte führen am Ende wirklich auf Ihre Website oder direkt zur Anfrage?

Symbole verschiedener Social-Media-Plattformen

Kleine und mittlere Unternehmen nutzen heute längst nicht mehr nur regionale Print-, Radio- oder Fernsehwerbung. Die eigene Website, Suchmaschinen, Fachportale, Newsletter und ausgewählte digitale Kanäle spielen eine zentrale Rolle.

Bedenken Sie dabei: Social Media ist nicht automatisch die beste Lösung. Es kann sinnvoll sein, aber nicht jedes Unternehmen profitiert gleichermaßen davon. Mehr dazu im Beitrag Argumente gegen Social Media.

Tipp: Social Media sollte nie Selbstzweck sein. Im Idealfall führt es Interessenten auf Ihre Website, denn dort kontrollieren Sie Inhalte, Wirkung und Kontaktmöglichkeiten selbst.

 

3. Was motiviert Ihre Zielgruppe zum Handeln?

  • Welche Probleme wollen Ihre Kunden lösen?
  • Welche rationalen oder emotionalen Anreize überzeugen am besten?
  • Welche Botschaften passen in der aktuellen Situation wirklich noch?

 

4. Was bringt jeder investierte Euro?

  • Wie wirken sich Marketinginvestitionen auf Anfragen, Aufträge oder Verkäufe aus?
  • Welche Maßnahmen tragen direkt oder indirekt zum Umsatz bei?
  • Wo lässt sich Wirkung messen, wo nur vermuten?

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Vier Methoden zur Budgetermittlung

Unabhängig von Branche und Planungszeitraum benötigen Sie eine nachvollziehbare Ausgangsbasis. Diese vier Ansätze helfen dabei.

1. Zielmethode: Was soll mit dem Marketing konkret erreicht werden?

Sie definieren zuerst klare Ziele: beispielsweise mehr Anfragen, ein stärkeres Markenimage, höhere Sichtbarkeit oder bestimmte Umsatzgrößen. Danach leiten Sie die notwendigen Maßnahmen und deren Kosten ab.

Diese Methode ist besonders sinnvoll, wenn Marketing nicht nur verwaltet, sondern strategisch eingesetzt werden soll.

 

2. Umsatzmethode: Was wurde erreicht, was ist realistisch?

Hier orientieren Sie sich an Umsatz- oder Gewinnwerten des Vorjahres. Im Investitionsgüter- und Dienstleistungsbereich werden häufig etwa 2,5 bis 5 Prozent des Umsatzes angesetzt. Im Konsumgüterbereich liegen die Anteile oft deutlich höher.

Für Existenzgründer kann ein relativ hoher Anteil sinnvoll sein, weil Sichtbarkeit, Positionierung und Gestaltungselemente zunächst überhaupt aufgebaut werden müssen.

 

3. Wettbewerbsmethode: Wie sichtbar ist Ihre stärkste Konkurrenz?

Analysieren Sie, wie Ihr wichtigster Wettbewerber auftritt, welche Kanäle genutzt werden und wie stark Präsenz und Wiedererkennung ausgeprägt sind. Dieses Niveau kann als grober Referenzwert dienen. Branchenverbände oder Steuerberater liefern mitunter zusätzliche Anhaltspunkte.

 

4. Pro-Kopf-Methode: Was darf die Gewinnung einer Person kosten?

Besonders im Online-Marketing ist dieser Ansatz hilfreich. Sie definieren, wie viel Ihnen ein Kontakt, ein Lead oder ein neuer Kunde wert ist. So lassen sich Kampagnen genauer kalkulieren und steuern.

Vereinfachtes Rechenbeispiel

Sie möchten 100.000 Personen Ihrer Zielgruppe mit vier Schaltungen erreichen. Bei einem CPM von 5 Euro benötigen Sie für 400.000 Impressions ein Budget von 2.000 Euro.

Bei einer Klickrate von 1,5 Prozent würden daraus rechnerisch 6.000 Klicks entstehen. Liegt die Conversion Rate später bei 1 Prozent und Ihr Produktpreis bei 100 Euro, entstehen 60 Käufe und damit 6.000 Euro Umsatz.

Solche Werte sind keine Garantie, aber sie helfen, Budgets nicht aus dem Bauch heraus festzulegen, sondern über nachvollziehbare Größen wie Reichweite, Klickrate, Conversion Rate und Kosten-Umsatz-Relation.

Wichtig: Schon kleine Veränderungen bei Klick- oder Conversion Rate wirken sich stark auf die Wirtschaftlichkeit aus. Deshalb müssen Kampagnen beobachtet und laufend angepasst werden.

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Was gehört in ein Marketingbudget?

Die Gewichtung hängt von Zielgruppe, Zielen, Branche und Unternehmenssituation ab. Trotzdem gibt es typische Kostenblöcke, die sauber mitgedacht werden sollten.

Typische Bestandteile eines Marketingbudgets

1. Werbung

  • Online-Werbung, etwa Suchmaschinenanzeigen, Display-Werbung oder Kampagnen auf ausgewählten Plattformen
  • Offline-Werbung, etwa Print, Radio, Außenwerbung oder andere klassische Formate

2. Public Relations

  • Externe PR-Unterstützung oder interne Kommunikationsarbeit
  • Pressearbeit, Veranstaltungen, Medientrainings

3. Content Marketing

  • Texte, Grafiken, Fotos, Videos, Fachbeiträge
  • Distribution und Bewerbung der Inhalte

4. Marktforschung und Analyse

  • Wettbewerbsbeobachtung, Umfragen, Zielgruppenanalysen
  • Auswertung von Daten und Entwicklungen

5. Social Media

  • Tools für Planung, Betreuung und Auswertung
  • Gesponserte Beiträge oder Anzeigen, falls sinnvoll

6. Veranstaltungen und Sponsorings

  • Messen, Konferenzen, Vorträge, Webinare
  • Sponsoring ausgewählter Formate oder Partner

7. Technologie und Software

  • Analysewerkzeuge, CRM, Automatisierung, Newsletter-Tools
  • Spezielle Anwendungen für Steuerung und Kontrolle

8. Personal

  • Gehälter, externe Unterstützung, Weiterbildung
  • Zeitaufwand für Planung, Umsetzung und Optimierung

9. Druck- und Versandkosten

  • Broschüren, Flyer, Mailings, Geschäftsausstattung

10. Webentwicklung und Design

  • Website, Landingpages, grafische Gestaltung, technische Anpassungen

11. Lizenzen

  • Bilder, Videos, Schriften, Markenbestandteile oder andere Medienrechte

12. SEO

  • Analysen, Optimierung von Inhalten, Struktur und Sichtbarkeit

13. Aktionen und Promotions

  • Rabatte, Sonderaktionen, Gutscheine, begleitende Werbemittel

14. Reisekosten

  • Fahrten und Termine im Zusammenhang mit Marketing- oder Vertriebsaktivitäten

Kanäle mischen, aber nicht beliebig

Der richtige Mix hängt von Ihren Zielen ab. Wer sichtbar bleiben, Vertrauen aufbauen, Anfragen steigern oder neue Produkte einführen will, muss die passenden Kommunikationskanäle bewusst kombinieren.

Das kann über die eigene Website, Suchmaschinen, Newsletter, Fachportale, ausgewählte Paid-Media-Maßnahmen, Veranstaltungen, Webinare oder gut überlegte Inhalte in Social Media geschehen.

Entscheidend ist nicht, möglichst viele Kanäle zu bespielen, sondern die richtigen. Eine vorherige Analyse und die passende Mischung machen den Unterschied.

Auch digitale Kontaktformate können hilfreich sein: Online-Termine, Frage-und-Antwort-Angebote oder andere dialogische Elemente auf der Website schaffen Nähe und senken Hürden.

Wer im Vertrieb stärker auf Beratung, Relevanz und echten Dialog setzt, statt nur auf reine Produktpräsentation, verbessert die Voraussetzungen für nachhaltige Kundenbeziehungen.

Kontrolle ist kein Misstrauen, sondern Pflicht

Frau analysiert Marketingdaten auf mehreren Bildschirmen

Jede Maßnahme sollte so weit wie möglich überprüft werden. Nur so erkennen Sie, welche Aktivitäten Wirkung entfalten und welche verändert, reduziert oder beendet werden sollten.

Gerade in digitalen Kanälen lassen sich Klicks, Reaktionen, Kontakte und Conversions vergleichsweise gut messen. Das macht ein fortlaufendes Marketing-Controlling unverzichtbar.

Wer regelmäßig überprüft, statt nur einmal jährlich zu planen, kann schneller reagieren und den Mitteleinsatz effizienter steuern. Ziel ist ein nachvollziehbarer und möglichst zufriedenstellender Return on Investment.

Praktische Empfehlungen für Ihren Krisen-Etat

  • Prüfen Sie, ob Ihre bisherigen Botschaften noch zur aktuellen Lage und zu den Bedürfnissen Ihrer Zielgruppe passen.
  • Stärken Sie Ihre Marke durch Beziehungsmanagement, Verlässlichkeit und hilfreiche Kommunikation.
  • Kürzen Sie nicht pauschal, sondern priorisieren Sie gezielt nach Wirkung.
  • Halten Sie einen flexiblen Budgetanteil für unerwartete Entwicklungen bereit.
  • Beobachten Sie Markt, Wettbewerb und Nachfrage kontinuierlich.
  • Orientieren Sie sich nicht starr an festen Summen, sondern an Zielen und tatsächlicher Resonanz.
  • Analysieren Sie nach jeder Periode, welche Maßnahmen funktioniert haben und wo Korrekturen nötig sind.
  • Handeln Sie nicht zu langsam: In dynamischen Zeiten ist Anpassungsfähigkeit ein Wettbewerbsvorteil.

Fazit

Ein reduziertes Budget ist nicht automatisch ein gutes Budget. Entscheidend ist, ob es zu Ihren Zielen, Ihrer Zielgruppe und der aktuellen Marktsituation passt.

Marketing ist in Krisenzeiten kein Luxus. Es ist ein Mittel, um sichtbar zu bleiben, Vertrauen zu festigen und Chancen zu nutzen, während andere sich zurückziehen.

Wer jetzt nicht blind spart, sondern klug priorisiert, kontrolliert und flexibel steuert, hat gute Chancen, die schwierige Phase nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Auch diese Krise geht vorüber

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ein gutes Gespür für die richtigen Entscheidungen.

Viele Unternehmen setzen dabei stark auf Social Media. Warum das nicht immer sinnvoll ist, lesen Sie im Beitrag Argumente gegen Social Media.

Wie wichtig die richtige Ansprache ist, zeigt auch der Artikel B2B und Emotionen.

Wenn Ihre Website keine Wirkung erzielt, lohnt sich ein Blick auf Wo bleiben die Kunden?.