Sprechblasen mit Fragezeichen

„Ich sag mal ...!“

Über Schmerzpunkte durch Sprachmarotten und Füllwörter.

Profitieren Sie mit unseren quirligen Texten gegen zähen Textbrei und Füllwörter! Sagen Sie es Ihren Kunden „einfach“ und verständlich!

Schild Stop
„Ich sag mal ... halt ... sozusagen!“

– 02.02.2021 –
Viele benutzen für Denkpausen das altbekannte „... ääh ...“, andere nutzen dafür Füllwörter, auch in schriftlichen Texten. Einige verwenden gern überflüssige Wörter um einen gewissen Grad an Bildung oder Gruppenzugehörigkeit zu dokumentieren. Eher peinlich wird es dann, wenn beides in Kombinationen verwendet wird: „Ääh, ich sag ´mal, das ist halt so ...“.
Anmerkung: In diesem Text sind absichtlich gesetzte Füllwörter enthalten. Wer sie findet, darf sie behalten. ;-)

„... ich sag ´mal ...“

Vor etwa 30 Jahren äußerte Uwe Seeler – für mich erstmals wahrnehmbar – die Wörter „ich sag ´mal“. Irgendwie habe ich mich damals – ich sag mal – ;-) fremdgeschämt.

Hmm ... wer außer „ich“ sollte das ansonsten ´mal sagen, wenn es doch meinem eigenen Ich entstammt? Oder möchte man zum Ausdruck bringen, dass da noch ein zweites paranoidales Ich herumspukt? ;-)

„... halt ...“

Ab etwa 1980 war es „halt“ ;-) so, dass ein neues Füllwort unsere Sprache eroberte. Dieses Wort war ursprünglich als resignierende Feststellung erkoren. Es wurde jedoch besonders als überflüssiger Sprach-Lückenfüller unter Studenten beliebt. Sie meinten halt ;-), etwas besonderes damit zum Ausdruck zu bringen. Wenn man das Wort halt ;-) oft verwendet, dann gehört man halt ;-) zu einer Art Elite, die sich an der Sprache erkennt (?).

Oder ist es so, dass der Mund schneller als das Gehirn ist, wenn es sich selbst mitteilen muss: „HALT, du musst erst nachdenken!“ Einige Menschen schleppen diese Unsitte ein Leben lang mit sich und „vererben“ es sogar Ihren Kindern.

„... sozusagen ...“

Ende 2020 verwendete unsere Kanzlerin in einer Pressekonferenz auffällig oft (gefühlt etwa 30 x) das Wort „sozusagen“. Seit der Zeit ist bemerkenswert, dass explosionsartig immer mehr Redner unnötig oft – und an sozusagen ;-) unangebrachter Stelle – „sozusagen“ verwenden.

Das soll dann wohl sozusagen ;-) eine Art Unterwürfigkeit und Solidarität mit der Kanzlerin zum Ausdruck bringen (?).

„... welches ... mittels ...“

Nicht nur beim Sprechen ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen Gehirn und Sprachmuskulatur wichtig. Damit man Lesende nicht der Schleudergefahr aussetzt, ist auch beim Schreiben das vorherige Überlegen angebracht. Oft liest man das Wort „welches“, welches ;-) eindeutig auf eine veraltete, verdrechselte und leider oft unverständliche Ingenieursprache hinweist, die Schreibende zu pflegen scheinen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Wort „mittels“. Vermutlich möchte man erhebliches Wissen um Ingenieurkenntnisse aufzeigen. Oder man macht sich nicht die Mühe, einen besser passenden Begriff zu verwenden.

„... gleichwohl ...“

Ein in letzter Zeit ebenso häufig hörbares Wort ist das Konjunktionaladverb „gleichwohl“. Eigentlich dient es dazu, sich widersprechende Aussagen zu verbinden und den vorherigen Satz abzuschwächen. Der Begriff wird „gleichwohl“ ;-) gern in der Juristerei verwendet und wurde um 1650 und 1890 oft geäußert.

Gleichwohl ;-) interpretieren es einige Mitmenschen möglicherweise als intelligente Ausdrucksform, derartige Wörter falsch angebracht verwenden zu müssen. Man will vermutlich hochdeutsch und intelligent klingen.

Überflüssige Adverbien und Konjunktionen, die Ihre Aussagen entwerten:

augenscheinlich, ausdrücklich, bei weitem, anscheinend, besonders, bestenfalls, bestimmt, demgegenüber, demgemäß, echt, eigentlich, einfach, einigermaßen, einmal, endlich, erheblich, etwa, etwas, fast, folgendermaßen, ausnahmslos, fortwährend, fraglos, freilich, ganz gewiss, ganz und gar, gar, gelegentlich, genau, gerade, geradezu, gesagt, gewiss, gewissermaßen, gewöhnlich, gleichsam, grundsätzlich, gänzlich, halt, hervorragend, hier und da, ich glaube, ich sage mal, im Prinzip, immer, in Wahrheit, in aller Deutlichkeit, in der Regel, in diesem Zusammenhang, in etwa, in gewisser Weise, infolgedessen, inzwischen, irgend, irgendwann, irgendwie, irgendwo, ja, jede, kaum, keinesfalls, keineswegs, letzten Endes, letztendlich, mal, man könnte sagen, manchmal, maßgeblich, mehrere, meist, meistenteils, mutmaßlich, möglicherweise, nachhaltig, natürlich, nicht wahr, nichtsdestotrotz, nichtsdestoweniger, nie, niemals, normalerweise, nun, nur, offenbar, offenkundig, oft, ohne Umschweife, ohne Zweifel, plötzlich, praktisch, regelrecht, relativ, ruhig, schon, sehr, selbstredend, seltsamerweise, sicher, sicherlich, sogar, sogleich, sonst, sozusagen, streng, unbedingt, ungefähr, unlängst, unsinnige, ursprünglich, überhaupt, übrigens, vergleichsweise, vielfach, vielleicht, völlig, vollkommen, wahrscheinlich, weitgehend, welches, wenige, wenigstens, wieder, wieder einmal, wirklich, wohl, ziemlich, zugegeben, zweifellos, zweifelsohne.

Werten Sie Ihre Sprache und Texte ohne Füllwörter oder Sprachmarotten auf!
Alles wäre ansonsten schwer verständlich und würde als Wortbrei interpretiert. Machen Sie sich nicht zum Sprach-Exhibitionisten!